Ausbildung an der Oberen und Unteren Donau verbindet Generationen und Kulturen

Ausbildung an der Oberen und Unteren Donau verbindet Generationen und Kulturen

Wie deutsche und rumänische Natur Guides gemeinsam trainieren

Das Projekt Donau-Naturführer

Was können erfahrene Gewässerführer von der Oberen Donau in Baden-Württemberg und Jugendliche von der Unteren Donau in Rumänien voneinander lernen, wenn sie zwei Wochen gemeinsam in diesen Regionen verbringen? Finden sie eine gemeinsame Sprache, und lassen sich die Jugendlichen vom Naturschutzgedanken befeuern?
Genau diese Brücke schlägt das Projekt Donau-Naturführer, das die Baden-Württemberg-Stiftung finanziert und die Deutsche Gesellschaft für Limnologie fachlich unterstützt. Startschuss war eine erste Kurswoche im Sommer 2018. Damals wohnten und arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (15 Ro, 8 D) zusammen im Naturfreundehaus Donautal, die zweite Woche verbrachten sie dann an der Unteren Donau im rumänischen Galatz, gut 200 Kilometer nordöstlich von Bukarest. Beide Wochen waren vollgepackt mit Exkursionen an diesen beiden Abschnitten der Donau und in die angrenzenden Naturparklandschaften. Dabei beschäftigte sich die Gruppe auch mit vielen kulturellen und ethnologischen Themen. Weil die rumänischen TeilnehmerInnen ein Gymnasium für Ernährung und Tourismus in Galatz besuchen, konnten sie dazu viel Hintergrundwissen beisteuern.

Naturschutz - Perspektive für persönliche Zukunft

„Gerade wenn Schülerinnen und Schüler noch sehr jung sind, können wir ihnen Voraussetzungen mitgeben, die sie benötigen, die Naturschutzidee für ihre Berufslaufbahn aufzunehmen und später in ihrer Region damit zu arbeiten“, sagte die Mitorganisatorin Dr. Gabriela Costea (Foto 3, links), die seit drei Jahren in Deutschland arbeitet. Die Limnologin Dr. Sabine Schmidt-Halewicz (Foto 3, 3. v.l.) aus Konstanz, mit dem Verein Naturschule Region Bodensee e.V. und der rumänische Partnerverein Green East Corridor in Galatz haben das Projekt Danube Nature Guides gemeinsam verwirklicht.
In Baden-Württemberg bietet die wbw-Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung Ausbildungen zum Gewässerführer bereits seit mehr als zehn Jahren an. Die Absolventen können damit in ihren jeweiligen Regionen eigene Gewässertouren anbieten, wodurch der Markt inzwischen gut bedient wird. In Rumänien dagegen gibt es weder eine vergleichbare Weiterbildung noch ähnliche Angebote für touristische Führungen. An diesen beiden Enden soll die Danube Nature Guides-Idee greifen: für die Gewässerführer aus Deutschland als zusätzliches Angebot, in Rumänien als Startpaket mit deutschem Know-how und nachfolgender, partnerschaftlicher Unterstützung.

[Foto: Schmidt-Halewicz]

„Am meisten fasziniert hat mich das Paddeln auf der oberen Donau während der Woche in Beuron“, schreibt eine der jugendlichen Teilnehmerinnen. Alexa-Claudia Benke und Denisa Necula (RO) nach dem obligatorischen Test der Schwimmwesten in der Donau bei Riedlingen, August 2018.

Attraktive Ziele in der Region Galatz

Die Region Galatz bietet tatsächlich viele lohnende Ziele, die naturinteressierte Fernreisende ansprechen können. Bislang konzentriert sich der internationale Tourismus auf das Donau-Delta. Jedoch finden sich bereits 100 Kilometer stromaufwärts attraktive Ziele: das Naturkundemuseum in Galatz mit faszinierendem Ausblick auf die einen Kilometer breite Donau, die Lehrpfade im Naturpark Unterer Pruth nahe der Mündung dieses noch natürlich mäandrierenden letzten Zuflusses in die Donau und das Besucherzentrum des nahe gelegenen Nationalparks Macinberge mit seinem Nebeneinander von feuchten Buchenwäldern und Trockenrasen.

 

Das Projekt wird im April 2019 mit einer Abschlussveranstaltung in Galatz beendet. Die begonnenen Partnerschafts- und Projektideen wie die Eröffnung einer Plattform für Danube Nature Guides oder Ansätze für Tourismusangebote sind vielversprechend. So dürfen die beiden Organisatorinnen darauf hoffen, dass das Kursangebot auf rumänischer Seite fortgesetzt wird und der völkerverbindende und grenzüberschreitende Charakter des Projekts entlang der Donau weiter Früchte trägt.

[Foto: Costea]

Macin Mountains Top beflügeln: junge Menschen denken, sie könnten fliegen; Andreea-Elisa Enciu (RO) und Jan Häge (D), Sept. 2018.

Die Global Goals for Sustainable Development

17 Ziele haben die Vereinten Nationen formuliert, die zur besseren Erreichung von Nachhaltigkeitsbestrebungen und zur weltweiten Implementierung der Nachhaltigkeitsstrategie und mehr Gerechtigkeit führen sollen. Einige Ziele werden lediglich, aber dennoch berührt (4, 6, 15, 16 und 17) vom Danube Nature Guides Projekt. Die wichtigsten der vom Projekt angestrebten und weiterverfolgten Ziele für unsere Teilnehmenden insbesondere in Rumänien werden mit 8 (Gute Jobs und ökonomisches Wachstum) und 14 (Leben im Wasser) beschrieben. Insofern leisten wir mit 7 berührten globalen SDG´s (sustainable development goals) einen wertvollen Beitrag im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung – hofft Dr. Sabine Schmidt-Halewicz, Mitinitiatorin und Hauptverantwortliche für die Umsetzung durch die Naturschule Region Bodensee.

 

Welches Nachhaltigkeitsproblem können wir angehen mit den Danube Nature Guides? Durch qualifizierte Ausbildungen können die Naturreichtümer und deren Schutz im Umkreis von Galatz gezeigt und erhalten werden. Das stärkt den Tourismus und die lokale Wirtschaft, und generiert Einkommen in einer strukturschwachen Region. Die Guides im rumänischen Zielgebiet können sich zu einer größeren Organisation vernetzen. Vergleichbare Danube Nature Guides können an mehreren Stellen der Donau innerhalb Rumäniens ausgebildet werden.

 

[Foto: Mormocea]

Gruppenbild der Danube Nature Guides auf der Donaufähre bei Galatz, Sep. 2018.


Danube Nature Guides – ein Projekt der Naturschule Region Bodensee, gefördert durch die Baden-Württemberg Stiftung, rumänischer Partner ist der Verein Green East Corridor.

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